Tagung „Nostra Aetate“, 15. Jänner 2015

 

Die Nostra Aetate‐Tagung wurde im Rahmen einer Woche ausgerichtet, in der an allen Katholisch‐Theologischen Fakultäten und Hochschulen in Österreich der Erklärung gedacht wird, die vor 50 Jahren erstmals in der Katholischen Geschichte den Antisemitismus verurteilt, die inneren Beziehungen zwischen Christentum und Judentum angedeutet und damit einen Weg eröffnet hat, auf dem eine offene und weniger belastete Begegnung zwischen Menschen beider Glaubensgemeinschaften möglich geworden ist. Anhand besonderer Themenstellungen werden dabei Status und Aufgaben dieser Beziehung reflektiert.

Vortragende/Programm

Stefan Schima (Wien) "Die Geschichte des Antisemitismus an der Universität Wien. Eine christliche Angelegenheit?"

Edward Kessler (Cambridge) "Jewish Perspectives on Christianity in light of the 50th Anniversary of Nostra Aetate. Reflections of a European Jewish Theologian"

Johanna Rahner (Tübingen) "Rhetorik und/oder Theologie? Zur Notwendigkeit einer systematisch-hermeneutischen Fortschreibung von Nostra Aetate"

Ursula Rudnick (Hannover) "Die evangelischen Kirchen in Europa und ihr Verhältnis zum Judentum: Theologische Entwicklungen, praktische Konsequenzen und aktuelle Herausforderungen"

 

Zusammenfassung

Am 15. Jänner 2015 wurde an der Fakultät ein hochkarätig besetzter und bestens besuchter Studiennachmittag zu Nostra Aetate abgehalten. Veranstaltet wurde der Nachmittag vom Koordinierungsausschuss für christlichjüdische Zusammenarbeit (Markus Himmelbauer) dem Institut für Judaistik (Gerhard Langer) und den beiden Wiener theologischen Fakultäten (Marianne Grohmann, Wolfgang Treitler). Nostra Aetate sollte dabei als entscheidender Anstoß und als vielfältige Aufgabenstellung für ein neues, in die Tiefe gehendes geschwisterliches Verhältnis von Christen/Christinnen und Juden/Jüdinnen zueinander, das über den konfessionell katholischen Bereich hinauswirkt, aufgenommen und weiterentwickelt werden.

Stefan Schima (juridische Fakultät; Inst. f. Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht) gab Einblicke in die Universitätsgeschichte 1867-1945 und die in ihr manifesten antisemitischen Entwicklungen, nicht unwesentlich von christlich-sozial Gesonnenen im Verband mit Deutschnationalen getragen, wobei es aber auch Widerstände dagegen gab. – Ed Kessler (Cambridge; Woolf Institute Studying Relations between Jews, Christians, and Muslims) formulierte als brennende christliche Aufgabe die Entwicklung einer Theologie des Bundes Gottes, die den ewigen Bund Gottes mit Israel nicht nur behauptet, sondern im christlichen Verständnis von Bund und Inkarnation so reflektiert, dass der Gottesbund mit Israel in keiner Weise herabgesetzt wird. – Johanna Rahner (Universität Tübingen; Inst. f. Dogmatik, Dogmengeschichte und Ökumenische Theologie) zeigte, wie in der innerkatholischen Nachwirkung von Nostra Aetate die Einsicht in die Schuld der Kirche an der Mitwirkung der Schoa immer deutlicher wurde. Christlich bleibt ein Problem, wie der Anspruch auf Vollendung durch Christus nicht zur Verneinung des Judentums führt. – Ursula Rudnick (Uni Hannover; Inst. f. Theologie und Religionswissenschaft) zeichnete die Annäherung ans Judentum durch die EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) nach.

Der Wandel von 1948, als man noch die Überzeugung formulierte, die Erwählung Israels sei auf die Kirche übergegangen, bis in die Gegenwart, in der das Judentum Thema der Theologie ist, zeigt auch hier markante Änderungen an.

Im Schlusspodium, vom Markus Himmelbauer moderiert, kamen noch aktuelle Themen zur Sprache und mit ihnen der gegenwärtige Antisemitismus in Europa. Dass dieser am deutlichsten dort sichtbar wird, wo es keine Juden und Jüdinnen gibt, zeigt zweierlei: Antisemitismus ist ein kulturell vermitteltes Phänomen und als solches wohl „a social desease“; er verliert in dem Maß seine Kraft, als Begegnungen mit Juden und Jüdinnen stattfinden. Bekämpft werden muss er vor allem durch Christen/Christinnen und Muslime/Musliminnen.

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