Forschungsprojekt von Ikenna Okafor

 

Das uralte Axiom „extra Ecclesiam nulla salus“ (außerhalb der Kirche gibt es kein Heil) stellt einen großen Stolperstein für eine Kirche dar, die sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ernsthaft um einen interreligiösen Dialog bemüht. Dieses umstrittene Axiom, das mehrmals im Lauf der Kirchengeschichte durch frühere Konzile und verschiedene päpstliche Lehramte stets angewendet und somit bestätigt wurde, wirft sehr wichtige und grundlegende Fragen im Rahmen des interreligiösen Dialogs auf: Was ist die objektive Bedeutung und der Ort des Heiles in der Welt heute? Wer kann gerettet werden, und wodurch?

Jacque Dupuis, ein belgischer Priester und Dogmatiker, geht diesen Fragen nach. In seiner gründlichen theologischen Untersuchung dieses Themas erwarb er einerseits enorme Bewunderung von denen, die sein Werk als einen gelehrten Diskurs in der Theologie der Religionen einschätzten, aber auch Kritik von einem Magisterium, das gegenüber einer vermeinten Relativierung des christlichen Glaubens skeptisch war. Dupuis‘ scheinbar nebulöse Unterscheidung zwischen "Logos asarkos" und "Logos ensarkos", wodurch eine Trennung zwischen dem Logos und Jesus von Nazareth sich möglich verstehen ließe, brachte ihm großes Missverständnis. Aber sein Werk bleibt dennoch von großer Relevanz, angesichts des Phänomens des religiösen Pluralismus und der Problematik des friedlichen Zusammenlebens in einer multikulturellen Welt. Daher muss sich die Theologie bemühen, neue Idiome und Perspektiven zu finden, die plausible Antworten auf die Frage des Heils der Menschheit zu geben vermögen.

In diesem Zusammenhang liegt der Schwerpunkt des Forschungsprojekts darin, aus einer afrikanischen Perspektive eine apophthegmatische Annäherung an die Einzigartigkeit Jesu Christi und seine universale Geltung als Heiland der Menschheit zu erarbeiten. Dabei gilt die Logik einer Theologie der Solidarität basierend auf dem christologischen Titel Christi, „Bruder der Menschheit“, als eine fruchtbare theologische Landschaft, die eine neue hermeneutische Orientierung anbietet. Worin liegt die inklusive Pluralität, die trotz parallelen Wegen der Religionen ein gemeinsames Ziel in Jesus Christus findet? Mit welchem afrikanischen Idiom kann man der Theologie dienen, in der Erläuterung eines inklusiven Zusammenflusses der Religionen und deren endgültigem Ziel? Diese Fragen bilden den Grundmovens des Dialogs und die Kernfragen der Forschungsarbeit.